Seit dem Erfolg von World of Warcraft, scheinen Online-Rollenspiele wie Pilze aus dem Boden zu schießen, jedoch verschwinden diese aber meist sehr schnell auch wieder darin. Klar, jeder will ein Stück vom MMORPG-Kuchen abhaben und bald haben die Spielehersteller merken müssen, dass schlichte Kopien alter Erfolgsrezepte kaum jemanden aus Azeroth und der Scherbenwelt weglocken können. Frische Ideen mussten her. Die Norweger Funcom meinen eben genau diese gehabt zu haben und nehmen große Worte wie „revolutionär und verblüffend“ in dem Mund, wenn sie Age of Conan beschreiben. Heute wurden die Server nun endlich europaweit hochgefahren - da wir uns natürlich schon mit der Vorverkaufsversion seit Samstag im Barbarenland herumtreiben, liefern wir euch mit diesem Spielbericht alles Wissenswerte um König Conan & Co!
Alles bleibt anders - die Charakterwahl
Das Age of Conan ein wenig anders ist, zeigt bereits die Charakterstellung. Nachdem man sich zum ersten Mal ins Spiel eingeloggt hat, wählt man zunächst einen Server, klickt einen freien Charakterplatz an und findet sich nach einem Ladebildschirm auf einer Sklavengaleere wider.
Hier beginnt die Qual der Wahl. Aus den Hintergründen drei verschiedener Völker und insgesamt 12 Klassen, erstellt man sich seinen alter Ego.
Die drei vom längst verstorbenen Autor Robert E. Howard erdachten Völker Hyboriens, orientieren sich grob an Vorbildern aus der Erdgeschichte um etwa 300-500 n. Chr., also zur Zeit des Römischen Kaiserreichs, plus/minus 500 Jahre, je nach Rasse.
Aquilonier sind von den Römern inspiriert, die Stygier ähneln rein äußerlich den Ägyptern und die Cimmerier gleichen am ehesten den rastlosen Skoten und späteren Kelten.
Die insgesamt 12 Klassen bestehen aus vier Archetypen.
Die Wahl der Herkunft wirkt sich direkt auf die zur Verfügung stehenden Klassen aus. Stygier können als einziges Volk einer Karriere als Magier nachgehen, dafür produzieren sie keine Soldaten. Die restlichen Klassen werden mit Schwerpunkt auf die beiden anderen Völker verteilt.
Auf die Individualisierung bei der Charaktererstellung, hat Funcom großen Wert gelegt. Neben Körpergröße, Körperbau, Hautfarbe und Augenfarbe, kann man aus vielen Tätowierungen, Frisuren und Bärten wählen. Die zahlreichen Vorgaben der Gesichter, lassen sich vielfältig verändern. Von krummer Nase, bis hin zum schiefen Mund ist alles möglich. Sogar aus fünf verschiedenen Stimmen kann man sich eine auswählen, wie seinerzeit bei Neverwinter Nights.
Vom Strand in den Kampf
Nach dem Betreten der Spielwelt, wird man an einem tropischen Strand von einem Fremden aufgelesen, der üble Nachricht bringt. Man erfährt in solider, deutscher Sprachausgabe, dass man nichts weiter als der Leibeigene eines Sklaventreibers ist und erhält den Auftrag diesen Mundtod zu machen, was das Ende des Sklavendaseins bedeuten würde.
Es dauert nicht lange bis man auf die ersten Gegner trifft, an denen man das von Funcom viel gepriesene Kampfsystem ausprobieren kann. Dies ist anfänglich ein wenig gewöhnungsbedürftig, geht aber bald flott von der Hand. Mit den Tasten 1,2,3 führt man jeweils einen Schlag nach links, in die Mitte, oder rechts aus. Mit Hilfe eines Schildsystems kann man zusätzlich den Schwerpunkt der eigenen Verteidigung verändern. Schlägt ein Gegner beispielsweise bevorzugt auf die linke Seite ein, kann man die Schilde aus der Mitte und der rechten Seite nach links verlagern und ist so besser vor Angriffen der linken Seite geschützt.
Mit zunehmenden Level erhält man die so genannten Kombos. Kombos sind eine Abfolge von Schlagrichtungen, die korrekt ausgeführt den Gegner mit verschiedenen Effekten belegen, oder einfach nur sehr viel Schaden verursachen. Das Ganze spielt sich ähnlich wie rückwärtiges Mortal Kombat, oder Tekken. Je höher man im Level aufsteigt, desto schwieriger werden die Kombos.
History Is War
Im Stile von Spielen wie Gothic 3 und The Witcher, erlebt man auf der Insel Tortage bis Stufe 20 eine spannende Geschichte um einen üblen Tyrannen und erledigt Aufgaben, die einem auf das Leben in der Multiplayerwelt von Hyborien vorbereiten sollen.
Dies ist der Beginn der „Destiny Questreihe“, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Spiel- bis zur Maximalstufe 80 zieht. Die Nichtspielercharaktere (NPCs) im Zuge der Destiny Questreihe wurden alle von professionellen Synchronsprechern vertont, was für eine tolle Atmosphäre sorgt. Allerdings bleiben alle NPCs außerhalb dieser besonderen Questreihe stumm.
Questen bei Tag und Nacht
Auf Tortage kann man die Destiny Questreihe nur alleine bestreiten, jedoch ist es auch möglich mit Freunden die Insel zu erkunden und genretypisch Quests bei NPCs anzunehmen und gemeinsam zu erledigen. Hierbei unterscheidet das Spiel zwischen Tag und Nacht. Im Nachtmodus ist man auf einem gespiegelten Tortage unterwegs, dass man ganz für sich alleine hat. Ist man des Alleinseins überdrüssig geworden, schaltet man beim Trainer einfach in den Tagmodus um und schließt sich anderen Spielern an.
'Raus in die Welt
Nachdem man die Insel verlassen hat, kommt man in sein jeweiliges Heimatland. Ab diesem Punkt, ist Age of Conan ein vollwertiger Mehrspielertitel. Überall in der Welt lauern Gefahren und man erledigt wie in anderen Online-Rollenspielen Quests und besucht in Gruppen mit bis zu 6 Spielern Dungeons, oder unternimmt Schlachtzüge mit bis zu 24 Spielern.
Auch PvP kommt nicht zu kurz. Neben kurzweiligen Minigames auf instanzierten Schlachtfeldern bei denen man Modi wie Capture the Flag oder Team Annihilation spielt, gibt es auch Belagerungsschlachten für hochstufige Spieler. Dabei treten Gilden mit schwerem Gerät gegeneinander an und versuchen sich gegenseitig die errichtete Festung in Schutt und Asche zu legen.
Ebenfalls bietet Age of Conan die Möglichkeit Spielerstädte zu errichten, wovon ich mich, wie von allen PvP Features, noch nicht überzeugen konnte. Vom Klang her, erwartet uns da aber ganz großes.
deveraux' Tester-Fazit
Optisch kommt Age of Conan sehr überzeugend daher. Zweifelsohne ist es derzeit das grafisch beste Online-Rollenspiel auf dem Markt. Das kostet allerdings auch seinen Preis. Hat man nicht mindestens einen Intel Core 2 Duo 2.4 GHz, eine Geforce 7900 und 2-3 GB RAM unter der Haube schlummern, muss man mitunter starke Abstriche bei der Leistung und der Grafik machen und mit unscharfen Texturen und abgespeckten Effekten leben, was dem Spiel viel Atmosphäre kostet.
Mit entsprechendem System, können Benutzer von Windows Vista Age of Conan dann auch bald in nobler Directx10 Grafik erleben. Dies soll mit einem kommenden Patch nachgereicht werden. Angemerkt sei, dass momentan viele Besitzer von ATI Grafikkarten von starken Leistungseinbußen bei Age of Conan berichten.
Auch treiben wohl noch einige fiese Bugs ihr Unwesen, wie zum Beispiel feststeckende Charaktere, oder Quests die sich nicht beenden lassen. Fairerweise will ich erwähnen, dass kein Online-Rollenspiel in den ersten Wochen rund gelaufen ist. Wer aber bei Bugs und Leistungseinbußen schnell Frust aufbaut, sollte vielleicht noch einige Wochen mit dem Kauf warten, bis einige Patches nachgereicht wurden.
Ganz gewaltig nachholen muss Funcom noch in Sachen Marketing und der Herausgabe von Informationen. So fühlten sich viele Besteller der Pre-Order Version von Age of Conan betrogen, als aus den ursprünglich als „episch“ angekündigten Belagerungsschlachten Kämpfe zweier Gruppen mit jeweils maximaler Größe von 48 Spielern geworden war. Ärger verursachte auch die Ankündigung, dass der so genannte „Early Access“ (kostenpflichtiger, vorzeitiger Spielstart von drei Tagen), welcher in der Pre-Order Version von Age of Conan enthalten sein sollte und auch so beworben wurde, nur in begrenzter Stückzahl zur Verfügung stand. Sehr ärgerlich für Kunden, die sich die Pre-Order speziell wegem dem Frühstart gekauft hatten.
Spielerisch macht Age of Conan vieles anders, aber wenig neu, was ganz und gar nicht als Kritik aufzufassen ist. Die Welt ist sehr stimmig und hat ihren eigenen, düsteren Charme, den Fantasy Fans, die es gerne etwas ernsthafter mögen, sicher begeistern wird. Mit dem hohen Maß an Gewalt und der teilweise recht vulgären Sprache, richtet sich Age of Conan klar an ein erwachsenes Publikum und wirkt fast wie ein Anti-World of Warcraft.
Das Kampfsystem hat das Genre tatsächlich revolutioniert und macht viel Spaß. Man erhält das Gefühl wirklich zu kämpfen, anstelle nur einfach Tasten zu drücken, bis einer dann irgendwann tot umfällt. Allerdings ist das ist nichts für Schlafmützen. Wer es lieber gemütlich mag, sollte von Conan die Finger lassen. Actionfans hingegen, denen Online-Rollenspiele bisher zu langweilig gewesen sind, können durchaus mal einen Blick riskieren.
Vom Bau der Spielerstädte, den Belagerungskämpfen und den PvP-Minigames, sowie dem Handwerksystem konnte ich mir wie gesagt noch kein Bild machen, reiche aber nach weiterer Spielerfahrung an dieser Stelle, oder im Forum einen ausführlichen Bericht nach. Daher bleibt abzuwarten, ob Age of Conan auch auf Dauer begeistern kann.
Kann man mit den Startschwierigkeiten leben, erwartet einen mit Age of Conan seit heute ein Spiel von dem man mehr sehen will. Der Kern stimmt und es wirkt trotz der genannten Probleme sehr reif und begeistert schnell.
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#4529 · b@tzen · 23.05.2008 18:17
Sehr schöner Bericht!
#4533 · Höhlchen · 23.05.2008 21:13
Fluffig, macht auf jeden Fall Appetit, mal reinzuschauen.
#4534 · Hummel-o-War · 24.05.2008 11:52
Könnte man durchaus mal anspielen. Vielleicht gibts ja künftig kostenlos-Testaccounts.
#4559 · jarafi · 26.05.2008 06:39
Artikel ist sehr interessant geschrieben, lohnt sich ja das vielleicht mal auszuprobieren.