Für manche Fans war die E3 eine Enttäuschung. Verglichen mit den Meldungen aus früheren Zeiten, war die Berichterstattung nicht für alle Titel so, wie man sich das gewünscht hätte. Auch innerhalb der Kommentare bei uns im Netzwerk stolperte man immer wieder über Sätze wie "Ist die E3 schon um?", "War es das schon?", "Kommt da noch etwas?". Vielfach war das veröffentlichte Material etwas dünn.
Nach den negativen Erfahrungen in Santa Monica im letzten Jahr entschieden sich wieder weniger Branchenvertreter den Weg nach Los Angeles auf sich zu nehmen. Nicht nur den Spielern und Fans, die sich zur Messe mehr versprochen hatten, kann man dieser Tage die Enttäuschung anmerken. Auch viele große Namen der Spieleindustrie fordern eine weitere Überarbeitung des Konzepts hin zu alten Werten, bei einem günstigeren Preis für die Aussteller. Aufgrund des lieben Geldes wurde seit 2007 die E3 in deutlich abgespeckterer Form abgehalten. Während man noch 2006 eine Veranstaltung ähnlich der Games Convention zelebrierte, die für alle interessierten Besucher offen stand, entschied man sich für einen grundlegenden Wandel.
Exklusivität - Der Weg zum Erfolg?
Mehr Exklusivität wagen, weg von der Massenmesse hin zu erschwinglicheren Kosten für die vielen großen und kleinen Aussteller - so das Konzept im Kurzabriss. Zu sehr sah man sich dem Druck durch die Games Convention oder der Tokyo Game Show ausgesetzt, die jeweils ein sprunghaftes Wachstum von Jahr zu Jahr verzeichnen konnten, wo man selbst in lähmender Stagnation gefangen war. Für den normalen Besucher hieß es fortan: geschlossene Gesellschaft! Ganz objektiv gesehen, war auch schon die E3 2007 keine Offenbarung in Sachen Exklusivität. Man hatte den Eindruck, dass sich viele Publisher und Entwickler nicht mehr so viel Mühe bei ihrem Portfolio gaben. Nicht zu unterschätzen ist schließlich der Besucher-Effekt.
Sicherlich kann jeder nachfühlen, wie ausgesprochen schmeichelhaft viele begeisterte Fans rund um den Messestand sind, die einen mit großen, leuchtenden Augen schildern, wie gelungen sie ein Spiel finden. Fans, die bereit sind sich zwei Stunden brav in einer Schlange zu reihen, um dann endlich das höchste Glücksgefühl zu erleben, wenn sie mit "ihrem" Spiel eine ganze Viertelstunde allein sind und die ersten Schritte in der Welt gehen können, die sie bisher nur aus Berichten oder Screenshots kennen. Diese schöne Erfahrung fehlte seit 2007. Gut, es war nun wesentlich günstiger, den Stand aufzubauen und die entsprechenden Titel den Branchenkollegen zu präsentieren, aber das ehrliche, bodenständige Feedback der Fanbasis fehlte einfach. Im Nachhinein wirkt die Entscheidung befremdlich, eine Messe für die Community der Spieler einfach ohne ihre Anwesenheit abzuhalten.
Ich hasse die E3 wie sie jetzt ist!
Gerade bei den Publishern und den Entwicklern regt sich nun breiter Widerstand. Man möchte raus aus der elitären Fachmesse wieder hin zum Publikum, zum Feedback, zu den begeisterten Spielern, die einem die Hand schütteln. Alles andere scheint für die Zukunft nicht probat. Hier drei Statements von Electronic Arts, Ubisoft und SEGA, die man als ganz charakteristisch für die Unzufriedenheit der Branche ansehen kann. Letztlich wird man sehen, wie sich die Electronic Entertainment Expo zukünftig entwickeln wird. Für das nächste Jahr lässt sich auch ohne Glaskugel voraussehen, dass wohl noch weniger Aussteller anreisen werden.
John Riccitiello, Electronic Arts:
Ich hasse die E3 wie sie jetzt ist. Entweder gehen wir zurück zur alten E3, oder wir machen nur noch kleine, eigene Events.
Laurent Detoc, Ubisoft Nordamerika:
Die E3 dieses Jahr ist schrecklich. Die ganze Welt ist früher zur E3 gekommen. Jetzt ist es mehr wie eine Keller-Show für Rohrverleger.
Simon Jeffrey, SEGA Amerika:
Ich will nicht zurück in die Zeit, als ich für die E3 5 Millionen Dollar ausgeben musste. Aber es sollte etwas mehr Schein da sein, um die Anbieter zurückzu- holen, die sich abgewendet haben.