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Goblins gemeine Gaming-Glossen :: Freedom isn't free

Goblins gemeine Gaming-Glossen


Freedom isn't free



Man kann über den Film „Team America“ ja denken, was man will. Als Satire auf den mehr oder weniger unterschwelligen Patriotismus in amerikanischen Kriegs- und Actionfilmen erfüllt er seinen Zweck absolut. Und damit bin ich schon bei meinem eigentlichen Thema… Das heißt, noch nicht ganz. Ich bereite euch noch weiter darauf vor, in dem ich – was ich schon die ganze Zeit einmal vor hatte – wissentlich gegen das Urheberrecht verstoße. Wer leicht zu Übelkeit neigt, möge jetzt bitte seine Reisemedikamente einnehmen und die Kotztüte bereit halten. Sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt!

„Das Spiel basiert auf Ereignissen, die sich in Somalia im Herbst 1993 zugetragen haben. Ein Teil der Aufträge im Spiel basiert auf den tatsächlichen Geschehnissen, und der andere Teil ist rein fiktiv. Wir haben zwar nicht versucht, die Aufträge historisch akkurat zu gestalten, aber wir haben uns jede nur erdenkliche Mühe gegeben, die tapferen Soldaten der Einsatzgruppe Ranger und das amerikanische Kontingent der Operation Restore Hope durch dieses Spiel zu würdigen. Die Soldaten der Einsatzgruppe Ranger und die 10th Mountain Division, die am 3. und 4. Oktober 1993 voller Tapferkeit kämpften, waren an den heftigsten Infanteriekämpfen der Armee der Vereinigten Staaten seit dem Vietnamkrieg beteiligt. Diese tapferen Männer verdienen es, geehrt zu werden. Wir wollen das tun, so gut es uns im Rahmen eines Computerspiels möglich ist.
Die Ziele, welche die Soldaten bei ihrem Auftrag am 3. Oktober hatten (die Gefangennahme von zwei von Mohammed Aidids Leutnants), wurden erfüllt. Die zwei Leutnants und 24 ihrer Männer wurden rasch gefangen genommen. Doch während des Einsatzes wurden zwei Hubschrauber des Typs Black Hawk abgeschossen. In dem siebzehnstündigen Kampf, der daraufhin erfolgte, verloren 18 Amerikaner ihr Leben, und zwar entweder bei den Abstürzen oder bei dem Versuch, die abgeschossenen Hubschrauber und ihre Mannschaft zu verteidigen. Direkt nach dem Kampf gab es eine Menge negativer Berichte über das Gefecht. Man sprach von einem gescheiterten Einsatz, einem verbockten Auftrag oder gar einer Katastrophe. Wir sind da anderer Meinung. Wir sind der Ansicht, dass die Männer der Einsatzgruppe Ranger und der 10th Mountain Division gekämpft haben, wie man es von Männern der U.S. Army erwartet. Und sie haben ihre Ziele erreicht. Die abgeschossenen Hubschrauber haben den Verlauf des Einsatzes sicherlich beeinflusst, doch die Amerikaner kämpften an diesem Tag mit unglaublichem Mut, Entschlossenheit und Einfallsreichtum. Sie vernichteten praktisch die Miliz von Habir Gedr. Wir hoffen, dass du dieses Spiel als Anlass nimmst, einmal über die Opfer nachzudenken, die diese Männer und ihre Familien gebracht haben. Opfer, die es uns ermöglichen, Spiele wie dieses in der Sicherheit unserer Heimat zu genießen. Und während wir uns vergnügen, kämpfen diese Männer und jene, an die sie die Fackel weitergegeben habe, in aller Stille weiter für uns.

- Ein Mitglied der Enisatzgruppe Ranger“



Mutmaßliche Terroristen
Einmal tief durchatmen, ihr habt es geschafft! Dieser Text stammt aus dem Handbuch von Delta Force: Black Hawk Down, die englische Originalfassung von einem gewissen Jason Ryan (Gott hab ihn selig). Dieses Handbuch ist für das eines Shooters doch außergewöhnlich umfangreich. Man findet historische Hintergründe über das Land Somalia aber vor allem findet man eines: Pathos, Pathos, Pathos! Immer wieder wird auf die 18 Opfer besagter Schlacht verwiesen. 31 starben im gesamten Krieg (Vier davon „Ohne Feindeinwirkung“, also auf Deutsch durch Friendly-Fire!). Man stellt sich nun die berechtigte Frage: In welchem Verhältnis stehen die Opferzahlen? Ich blättere und blättere und schließlich finde ich auf Seite 6 einen Nebensatz mit dem entsprechenden Vermerk: 500-1000 Somalis kamen in dieser Nacht ums Leben. Warum wird für die keine Gedenkseite in dem Handbuch gemacht, wie für eben die 31 edlen Amerikaner, die in dem Krieg starben und alle namentlich mit Rang und Todesdatum erwähnt werden? Nun ja, das hätte sicherlich den Rahmen der Anleitung gesprengt. Das Handbuch ist übrigens im Gegensatz zum Spiel in Deutschland übersetzt worden. Offenbar hat man aus Gedankenlosigkeit die entsprechenden Inhalte nicht einfach entfernt, im Handbuch der Gold Edition fehlen sie nämlich. Und das hat nichts mit der üblichen Sparsamkeit bei Budget-Varianten von Spielen zu tun, das völlig unpolitische Handbuch der Erweiterung Team Sabre ist vollständig enthalten.

Aber allein dieser Einleitungstext lässt schon allerlei schöne Rückschlüsse auf das Spiel zu: „Wir haben zwar nicht versucht, die Aufträge historisch akkurat zu gestalten, aber wir haben uns jede nur erdenkliche Mühe gegeben, die tapferen Soldaten der Einsatzgruppe Ranger und das amerikanische Kontingent der Operation Restore Hope durch dieses Spiel zu würdigen.“ Heißt wohl im Klartext: Bis auf die Orte und den groben Ablauf der Einsätze ist nichts, aber auch wirklich gar nichts in dem Spiel so, wie es wirklich passiert ist. Vielmehr wird alles hier und da ein klein wenig ausgeschmückt, um die amerikanischen Heldentaten in ein besseres Licht zu rücken. Von der Rechtfertigung des „verbockten Einsatzes“ will ich gar nicht anfangen. Wenn ich mich recht entsinne, sollte die besagte Mission (Operation: Irene) nur eine halbe Stunde dauern. Dass die Amerikaner in einen Hinterhalt gerieten und dann die ganze Nacht am kämpfen waren, könnte man durchaus als Fehler bezeichnen. Etwas stutzig werden ließ mich aber die Krönung der geistigen Ergüsse: „Wir hoffen, dass du dieses Spiel als Anlass nimmst, einmal über die Opfer nachzudenken, die diese Männer und ihre Familien gebracht haben. Opfer, die es uns ermöglichen, Spiele wie dieses in der Sicherheit unserer Heimat zu genießen.“ Wirft man nämlich einen Blick in das Spiel, weiß man, was „unsere Heimat“ alles vor dem zu bekämpfenden Gegner zu befürchten hat. Der hat nämlich genau drei Waffen: AK-47-Sturmgewehre, veraltete Panzerfäuste und MG, zum Teil auf Pick-Ups aufgebaut. Dieses Land, bis heute in einem Bürgerkrieg versinkend, positioniert am Horn von Afrika, soll „unserer Heimat“ (gemeint sind ja wohlgemerkt die USA) allen ernstes gefährlich werden können? Das sehe ich ganz genau so! Diese bösen Somalis! Da ist es nur fug und recht, dass man mit dem Kauf des Spiels die „Warrior Foundation“ unterstützt, die den Kindern getöteter US-Soldaten ein Studium finanziert, sofern sie es so weit bringen sollten, wohl.


Apocalypse Now
Ich hatte dieses Spiel nun aber gekauft und zu meiner Schande muss ich gestehen: Es gefiel mir. Ich besaß es ein oder zwei Jahre, bis ich dann zufällig in einem Gamestar auf einen Artikel stieß, der mich abermals stutzig werden ließ. Hier wurde über die Verbindungen von Spieleentwicklern zu der US-Armee berichtet. Genauer gesagt handelte er davon, dass Entwickler z.B. Material der Army verwenden dürfen, um ihre Waffensounds damit aufzuzeichnen oder einfach die Wirkung einer Waffe einmal richtig zu testen. Wie bei Filmen gilt aber auch: Frage nie, was dein Land für dich tun kann, sondern frage immer, was du für dein Land tun kannst. Die Exekutive erwartet natürlich eine kleine Gegenleistung, einen Frondienst in Form von positiver Darstellung. Ich vermute zumindest nicht, dass das Team hinter einem Spiel, in dem zwar ein Krieg vorkommt, das aber mehr als deutlich dagegen ist (Ein Pendant zum Antikriegsfilm sozusagen) jemals ein Armeegelände von Innen zu sehen bekommt. Novalogic, der Entwickler von Delta Force: Black Hawk Down, ist aber wahrlich kein Entwickler dieser Art. Viel mehr betonte ein Entwickler des Studios, was für hervorragende Kontakte zu den Streitkräften man hätte und dass die immer sehr nett zu ihnen seien. Kaum verwunderlich bei dieser Aufmachung, möchte man meinen. Die Entwickler dürfen auf dem US-Gelände mit dem vom Steuerzahler finanzierten Kriegsgerät anstellen, was sie wollen und lassen ihren Gönner dafür in einem positiven Licht erscheinen. In den USA, wo die Armee seit Beginn des Irak-Krieges ständig Stellen frei hat, dürfte der Titel kaum weiter auffallen. Wenn ich so an Berichte denke, bei denen Humvees mit schönen Flachbildschirmen in die Schulen kommen und den Kindern der Unterschicht die Möglichkeiten, die ihnen offen stehen, wenn sie ein paar Jahre lang ihr Leben riskiert haben, zeigen vermute ich eher: Das Spiel ist noch mehr als harmlos. Außerdem hat die Army, wie ihr alle wisst, schon selbst den ein oder anderen Titel entwickelt um Leute zu ködern und Black Hawk Down ist eher etwas für Leute, die auf subtilere Rekrutierungs-Methoden anspringen, statt auf den guten alten Holzhammer.

Black Hawk Down ist dabei natürlich ein ziemlich extremes Beispiel. Patriotischen Pathos übelster Sorte findet man allerorten in der virtuellen Realität. Ich will jetzt gar nicht von 2. Weltkrieg-Shootern anfangen. Denn seit in der Soldat James Ryan, ein Film, in dem der einzige Deutsche, der nicht nach Fünf Sekunden erschossen wird der ist, der die „Helden“ hintergeht, obwohl er von ihnen frei gelassen wurde, wissen wir, wie böse wir sind. Wir wissen, dass wir es gar nicht anders verdient haben. Wenn Spielberg das sagt, muss es ja so sein. Lasst uns tief gebeugt verehren, dies erhabne Sakrament. Es leben unsere Befreier! Weltkriegs-Shooter dürfen patriotisch sein und es ist ja nun einmal so, dass sie zu der Art von Spiel gehören, von der man so was erwartet. Netter wird es, wenn man sich umblickt, was sonst so versucht, uns einzureden, Vaterlandsliebe sei der einzig richtige Weg.

Denn in Empires: Die Neuzeit (Nein, meine lieben Stainless Steel Studios, ich bin noch lange nicht fertig mit euch. Die beknackteste Story aller Zeiten war eigentlich erst der Anfang.) geht es in allen drei Kampagnen um nichts anderes. Am Ende resümieren die Helden jedes mal darüber, wie wichtig es war, dass sie für die Sache und noch besser: Für ihr Land gekämpft haben. Ob Richard Löwenherz (im Mittelalter gab es Nationalstaaten in unserem Sinne gar nicht), Admiral Yi (Der für einige Jahre suspendiert wurde, weil er die Japaner in einer aussichtslosen Situation eben nicht angriff, um für sein Land zu sterben) oder General Patton (Der Mann bekämpfte Deutschland zwar, hielt Hitler aber für den einzigen anständigen Mann in Europa), alle halten sie das für in Ordnung. Betrachtet man die Situation in den USA, ein Land in dem sich kein Präsidentschaftskandidat nachsagen lassen will, unpatriotisch zu sein, jeden falls nicht, wenn er eine Aussicht auf Erfolg haben will. Da die meisten Spiele aber von unseren amerikanischen Freunden kommen, bleibt uns wohl kaum etwas anderes übrig, als uns mit deren Mentalität abzufinden. Ob wir nun wollen oder nicht. Empires ist ein Spiel, das versucht hat, allen zu gefallen (Gemessen an den Verkaufszahlen tat es das aber nicht) und eben ein lehrreiches Spiel für die ganze (US-)Familie zu sein. Der Spieler sollte was dabei lernen, so fragwürdig das aus unserer (manchmal eben chauvinistischen) europäischen Sicht sein mag.


Mit Verlaub, Herr Präsident,
Sie sind ein...
Interessanterweise ist es aber so, dass es so manches Spiel, das eigentlich nicht aus den Vereinigten Staaten kommt, es viel mehr auf die Spitze treibt, als ein Spiel aus dem Land selbst es wohl jemals könnte. Spielt man Act of War, in dem einige Vorzeige-Amerikaner die Welt vor einem russischen Öl-Milliardär retten und die finale Schlacht am Weißen Haus statt findet, mag man kaum glauben, dass die Entwickler (Eugen Systems) aus Frankreich stammen. Dort ist es ja nun wiederum so, dass es Beamten eigentlich bei Strafe verboten ist, englische Lehnwörter für E-Mail etc. zu verwenden. Man muss ein von der Behörde erfundenes französisches Wort benutzen. Nicht jeder ist eben so leicht bereit, sich assimilieren zu lassen, wie wir Deutschen. In Computerspielen kann man sich aber auch als Franzose nicht vor der amerikanischen Leitkultur schützen. Ein Spiel muss sich schließlich verkaufen und die USA sind der größte Markt. So sehr es so manchem Franzosen im Herzen weh tun mag. Und auch die beiden erfolgreichsten Deutschen Spiele Far Cry und Crysis glänzen ja nun nicht wirklich durch deutsche Akteure oder gar ein deutsches Szenario.

Am Ende bleibt einem wohl nur die Frage, ob es sein muss. Muss ein Spiel wie Black Hawk Down, mit denen man doch eigentlich nur seine Freizeit verbringen möchte, dafür missbraucht werden, die amerikanische Armee in ein gutes Licht zu rücken? Nein, muss es nicht, verhindern wird man es aber kaum können. Computerspiele sind nun einmal in den USA beheimatet und da sind die Vorstellungen davon, was in Ordnung und was unangebracht ist, nun einmal etwas anders, als hier. Und so lange wird das Sternenbanner auch in der virtuellen Welt immer ein Grund zur Freude sein. Denn es heißt: Die Kavallerie kommt, wir sind alle gerettet!

Erstellt ... 18.11.2008
Autor ... Goblin2k3
Hits ... 608
Kommentare ... 3
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#6572 · patter · 18.11.2008 23:47


Wieder mal super, und genau das was ich auch schon oft gedanklich kritisiert habe.
Vielleicht kennt der ein oder andere noch das Spiel
Return to Castle Wolfenstein. Im Multiplayer gibt es Allies und Axis. Egoistischerweise weht dort für die Allies die Sternenfahne, aber soweit ich mich erinnere gehörten noch mehr Länder dazu.

PaTTer

DeathLink6.0

#6573 · DeathLink6.0 · 19.11.2008 00:03


Wohl wahr. Wenn man sein Spiel losbekommen will muss man für eine möglichst große Zielgruppe entwickeln und d.h. insbesondere muss es auch den Amis gefallen. Es ist auch mehr als verständlich, wenn man als Entwickler Sicherheit sucht und sich dann sogar dafür an die große Geld-Brust der Army hängt, die ordentlich Milch gibt, wenn man sie streichelt und an ihr zuppelt.

Mir macht das aber nichts mehr aus. Ich blende diesen patriotischen Ami-Kram inzwischen schon aus.

Und Patton ja das warn Typ... der fand die Deutschen ja richtig geil. Der hätte fast schon lieber mit SS und Wehrmacht gegen die franzosen gekämpft als mit den franzosen gegen die Deutschen. Dafür isser aber in einem Jeep unmittelbar nachm Krieg zur Hölle gefahren.

[ 1x editiert, zuletzt 19.11.2008 00:04 ]
nuclearboy

#6575 · nuclearboy · 20.11.2008 18:11


Ja, bis auf diesen übertriebenen patriotismus ist Act Of War und vor allem die Erweiterung High Treason ein sehr gutes Spiel. Einfach ausblenden, dann machts gleich noch mehr spaß !




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