
Seit knapp zweieinhalb Wochen ist Mercenaries 2 World in Flames nun schon in den Spielegeschäften erhältlich – und wir haben uns mit unserer Review durchaus mit Absicht etwas Zeit gelassen. Während pünktlich zum Stichtag eifrig und eilig mit mehr oder minder gefasster Meinung über den virtuell venezuelanischen Rachefeldzug gerichtet wurde, war es unserer Ansicht nach vielleicht nicht verkehrt, das Geschehen etwas länger wirken zu lassen und vielleicht mit etwas Abstand noch einmal das notierte zu betrachten und erneut zu testen - gerade bei einer etwas komplexeren Angelegenheit wie einem Open World Genre Spiel!
Und in der Tat kommt man hier zu einem interessanten, vielleicht sogar einer erstaunlichen Feststellung: Mercenaries 2 World in Flames ist eventuell nichts für Hardcore-Gamer, Schnell-Spieler oder Hetz-dich-durch Naturen. Und damit ist nicht unbedingt gemeint, dass man neben den zahlreichen Haupt-Story Missionen noch unzählige Nebenaufgaben bewältigen kann! Warum, das erklärt sich in unserer Review...doch jetzt erst mal von Anfang an.
Der Hintergrund
Zunächst handelt die Geschichte um einen in den Allerwertesten geschossenen Söldner in einem reinrassigen Open-World Szenario, welches durch den benannten Vorfall eine dramaturgische, aber nicht dramatische Hintergrundbemalung in Sachen Storyline erhält. Die ist zwar nicht so aufrührerisch in Szene gesetzt wie bei einer gewissen Geschichte um den „Großen Klau“, aber dennoch ein verbindendes, verständiges Gerüst, dem man nur zu gerne folgt (auch wenn es mitunter seicht bleibt): Nicht nur ist das perforierte Hinterteil für den Spott der Söldner-Kollegen im Intro ein gefundenes Fressen – was schlimm genug wäre - nein, auch die Bezahlung ging mit dieser ungewollten „Abrechnung“ quasi in die Hose. Grund genug, auf Rache zu sinnen, mit den Fäusten zu wedeln und entweder als Haudrauf Mattias Nilsson (Regeneriert sich schneller), Ex-Soldat Chris Jacobs (Bekommt mehr Munition) oder Profi Jennifer Mui (Rennt schneller) das riesige, frei von Ladezeiten und unsichtbaren Grenzen begehbare Stadtareal in Schutt und Asche zu legen. Die Story ändert sich durch eure Charakterwahl übrigens nicht. Damit ihr vor lauter Action und Reiselust eure Ziele nicht aus den Augen verliert, beschickt euch eure Mitarbeiterin Fiona euren PDA immer mit den neuesten Aufträgen. Auch habt ihr dort ein Navigationsgerät sowie eine Kartenübersicht integrierte, so dass ihr immer den Weg zum nächsten Kampfgebiet schnell finden könnt. Wobei das Navi, wie manchmal im wahren leben, nicht immer fehlerlos dahin führt, wo ihr hin wollt. Die Karte und die Landmarken sind jedoch recht eindeutig, so dass hier keine Verwirrung aufkommen wird.
Die Haupt-Missionen: Durchaus kreativ

Hierbei habt ihr nun, wie in einem OWG üblich, die Möglichkeit, neben den Haupt-Missionen, die durchaus abwechslungsreich ausgelegt sind, auch zahlreichen Nebenaufgaben zu folgen. In erstgenannten liegt allerdings eindeutig die kreative Stärke des Spiels: Die Storyline wird in kurzweiligen aber auch oft nervenaufreibenden Jobs erzählt. Sei es, dass sich ein umkämpfter „Devastator“ als rosa Moped herausstellt, den ihr unter Spott der ganzen Passanten zum Ablieferungspunkt bringt, ihr auf der Suche nach einem Mechaniker mit einem aufgepimpten Monstertruck das Fliegen übt und dabei gegen die Zeit spielt oder ihr für eine Guerillia-Truppe eine Kirche vor anrückenden Feindpanzern bis auf den letzten Dachziegel beschützt oder Gegner aus Gebäuden bombt ohne dabei Zivilisten in Mitleidenschaft zu ziehen.
Hier ein kleiner Einschub: Ja, es gibt Zivilisten! Diese bevölkern teils zahlreich, teils selten die Straßen und ihr solltet davon Abstand nehmen, einfach durchzubrausen, denn das könnte für euch mit der Zeit sehr, sehr teuer werden.
Generell steckt durchaus Grips im Missionsdesign und speziell auf der Story-Strecke seid ihr vor langweiligen „mach-10x-das-gleiche“ Alibi-Aufträgen relativ sicher. Natürlich muss man sich vor Augen halten, dass es hauptsächlich darum geht, eine Waffe in die Hand zu nehmen und damit entsprechendes zu bewerkstelligen. Sprich: Wer den Grundtenor aus „Töte im Laufe der Mission viele Gegner und überlebe“ oder „Besorge uns das X und überlebe“ als Malus eines Spiels dieses Genres ansieht, der sollte besser zum Adventure oder RPG greifen. Dem Hörensagen nach soll es aber Millionen-User-erfolgreiche Spiele geben, die quasi zum Großteil auf solchen Missionsstrukturen beruhen... (Wenn wir gerade dabei sind: Es gibt in eurem HQ auch einen Kleiderschrank! .. nur um den Vergleich an dieser Stelle noch nicht versanden zu lassen...).
Open World mit allen Möglichkeiten

Allerdings – und das muss hier betont sein – steht ihr hier in einem Open-World Game , welches euch wirklich absolute Freiheiten lässt und diese nicht nur auf der Schachtel dokumentiert. Während andernorts die „Freiheit“ darin besteht, dass ihr euch zumindest frei bewegen könnt oder maximal zwischen zwei Sorten Granatwerfern wählt, könnt ihr bei Mercenaries 2 wirklich alle Alternativen ausschöpfen: Ihr könnt entweder eure Gegner aus der Distanz snipern, vielleicht die Straßensperre in einem geklauten Fraktions-Fahrzeug durchfahren (Nach einer gewissen Zeit ohne Auffälligkeiten erkennen euch die Feinde nicht mehr – ihr seid im Fahrzeug „getarnt“ als Kamerad! Eure Freunde schießen dann aber auf euch!) und von hinten aufräumen, ein mit C4 bestücktes Fahrzeug in die Gegner rollen lassen und zünden, mit einem eigenen oder einem geklauten Panzer durchbrechen, alternativ einfach in den Nahkampf stürzen oder eine taktische Bombe auf die Sache abwerfen und dann zur Tagesordnung übergehen.... Und das sind nur die offensichtlichen Lösungen!
Benzin, Fraktionen und Wiederholungen
Dennoch gibt es hier auch einen kleinen Haken an der Sache: Um effektvoll eine 1000 Liter Benzinbombe abzuwerfen benötigt ihr nicht nur Geld, sondern auch eine Zweitwährung: Benzin. Alles was ihr in Mercenaries 2 World in Flames aus der Luft abwerft, sei es eine Aerosolbombe, Artillerie oder eine Munitionskiste, kostet euch im Einkauf nicht nur Bares um es erst einmal im Lager zu haben und später überhaupt über das Unterstützungsmenu einsetzen zu können, sondern für die Ausführung der Aktion auch einen gewissen Betrag an Treibstoff.

Dafür ist es sinnvoll, eine (oder möglichst viele) der Nebenmissionen anzunehmen, die euch von den Fraktionen angeboten werden – sofern sie euch denn freundlich gesonnen sind. Hier wird es kniffelig, denn viele dieser Nebenjobs sind..nun ja...“ähnlich“. So habt ihr bei jeder Gruppierung neben einigen durchaus freien, auch immer einige feste Aufgabentypen: Erobere einen Vorposten (Dort kauft ihr Waffen und holt neue Nebenaufträge). Schalte High-Value Targets aus (Kopfgeld sammeln). Zerstöre missliebige Gebäude der Gegner. Die beiden letztgenannten eignen sich zumindest hervorragend zum Verdienen größerer Geldsummen (Die ihr auch brauchen werdet!) Allerdings, und hier muss man etwas differenzierter betrachten, sind die Aufträge in ihrem Wortlaut zwar immer gleich und dennoch stellen sie durchaus jedes mal eine Herausforderung. Habt ihr für eine Fraktion z.B. schon zwei Vorposten erobert, werdet ihr bei den folgenden immer mehr Gegenwehr erwarten. Knockt ihr zu viele HVTs einer der untereinander verfeindeten Fraktionen aus, kommt euch demnächst die helle Freude in deren Stadtbezirk sicher als 9mm Vollmantelgeschoss entgegen – und neue Aufträge (Auch Hauptmissionen!) könnt ihr dann knicken. Allerdings lässt euch das Spiel bei versauter Freundschaft offen, über eure Mitarbeiterin Fiona ein kleines oder auch umfangreicheres Wiedergutmachungsentgelt zu leisten um die Stimmung zu heben. Auch in diesem Zusammenhang wichtig: Für spätere Missionen benötigt ihr vielleicht gerade die sprichwörtlichen Bombast-Waffen, die gerade nur eben jene Fraktion anbietet, welche ihr gerade mit dem Diebstahl einiger tausend Lieter Benzin düppiert habt (Oder es euch dabei nicht gelungen ist, die Meldung-machenden Soldaten schnell genug auszuschalten – was eine Option für unentdecktes vorgehen wäre). Ihr habt zwar immer alternative Herangehensweisen für die Missionen und müsst euch in keinem Fall an die Vorgaben halten...aber ein Luftschlag in Petto macht die Sache sicher einfacher und meist sind Fionas Ratschläge sehr gut zu beherzigen.
Notwendige Nebenmissionen

Zumindest die „Vorposten-Eroberungen“ sind obligatorisch abzuleisten, denn je stärkere Waffen ihr abwerfen wollt, desto mehr Benzin kosten diese. Ihr braucht also mehr Lagerkapazitäten und diese erhaltet ihr nur in einem neu eroberten Vorposten - einmalig verkauft! Ein Hinweis: Im Spiel explodierte Fahrzeuge lassen meist immer einen Benzin-Kanister zurück, der euch beim Aufsammeln kleinere Mengen des Treibstoffs gutschreibt! Dies ist vor allem am Spielbeginn eine sehr wertvolle Tätigkeit!
Grinding und Sammelsucht?
Ein gewisser Grind-Faktor (Sammel-Sucht Faktor) ist Mercenaries gerade in den Nebenmissionen nicht abzusprechen. Auch wenn gerade die „Nebenquests“ eintöniger sind, schliddert man irgendwann in eine typische „Nur noch“ Spirale, sprich: Jetzt nur noch die 200 Gallonen aufstocken, damits für den nächsten Angriff reicht ... dafür nur noch diesen Vorposten einebnen und schnell Belohnung kassieren ... ach, lass mal die Artillerie ausprobieren ... jetzt könnte man noch eben die Nebenmission machen....einen Kampfheli als Belohnung kann man im Arsenal noch brauchen .... ach hier stehen noch Benzintanks rum, die lass ich eben noch vom Piloten klauen, damit die Lager auch voll sind .. und schwupps, sind wieder zwei Stunden ins Land gegangen.
Doch auch hier gibt es Licht im Grinding-Schatten: Es gibt auch Nebenmissionen, die intelligenter gestrickt sind: In drei, schwieriger werdenden Stufen müsst ihr z.B. ViPs einer Fraktion eskortieren – während das venezuelanische Militär (die „VZ“) schon mit Panzern auf euch lauert.
Die Nebenmissionen bringen euch in der Story zwar nicht weiter und eröffnen auch keine alternativen Wege, verbessern aber indirekt eure Ausgangsposition und tragen somit doch zum Hauptgeschehen bei. Mit dem aus den Zusatzaufgaben gesammelten Geld und Waffen, kauft ihr (z.B. in den eroberten, euch freundlich gesonnenen Fraktionshaupt- und Vorposten) Luftschläge und sonstige Unterstützung, die ihr in eurem Story-Missionsbaum gut gebrauchen könnt. Dieser zieht mit der Zeit an, auch wenn es zwischendurch für begrenzte Zeit einige Längen gibt, da nicht viel passiert. Dafür gewinnt die Geschichte im letzten Abschnitt wieder gute Fahrt, die bis zum Finale anhält.
Zwischenfazit
Jetzt haben wir uns einige Absätze durch die (für ein Open World Game enorm wichtige) Missionsstruktur gearbeitet. Das Fazit: Beschäftigung ist genügend vorhanden. Die eher strukturgleichen Nebenmissionen machen zwar oft keine Partystimmung, aber dennoch Sinn für euer künftiges fortkommen in den besser angelegten Hauptaufgaben – und man wird ja nicht gezwungen, alle HVT, Zerstörungs- oder sonstige baugleichen Aufgaben hintereinander zu machen.
Doch was bietet das Spiel noch? Kommen wir nun zu den eher technischen, spielerischen und sonstigen wichtigen und aufschlussreichen Spielaspekten.
Tutorials

Zunächst einmal gibt es natürlich ein Tutorial, in welchem ihr quasi die Vorgeschichte bis zu dem Punkt, an dem ihr in den Hintern geschossen werdet, als Lernwiese für Fahrzeuge, Artillerieschläge und sonstige Steuerung erlebt. Eure künftig anzustellenden Mitstreiter sowie Fiona versorgen euch übrigens mit weiteren Trainingseinheiten. Die als „Wetten“ angesetzten Tutorials dienen nicht so sehr dem Betrag, den ihr hier von euren Mit-Söldnern erspielen könnt, sondern eher, eure Fähigkeiten mit Fahrzeugen zu Lande, zu Wasser und in der Luft, sowie diversen Nah- und Fernkampfwaffen verschiedener Kaliber in ansteigendem Schwierigkeitsgrad zu trainieren. Nicht verkehrt, da man einiges im laufenden Spiel durchaus noch gebrauchen kann.
Doch nochmals kurz zurück zum Anfang.
Eure Mitarbeiter und ihre wertvollen Dienste
Ihr benötigt im virtuellen Venezuela nicht nur eine Bleibe, sondern auch einen Ort, von dem aus ihr agieren könnt, sprich: Ihr sucht euch ein Hauptquartier – Perfider Weise kapert ihr gleich in der ersten Mission die Villa desjenigen, der sich erdreistete, euch um euer Honorar zu prellen, bzw mit Blei auszuzahlen: Solanos Herrenhaus! Schließlich benötigt man als freischaffender Söldner nicht nur Geld, sondern auch Platz um Benzin und Munition zu lagern. Das HQ ist übrigens komplett frei begehbar. Hier steht euch eure treue Fiona als Vermittler von Aufträgen und Erklärbär zur Verfügung. Auch eure im Laufe der Zeit zu findenden Mitstreiter, ein russischer, betrunkener Jetpilot (für Luftangriffe unabdingbar! Lasst euch von Sätzen wie „Was macht Rauch in Cockpit?“ nicht stören...), eine Mechanikerin („Pimp-My-Car“ & Sonderanfertigungen jeder Art, sofern ihr genügend Ersatzteile, in der Stadt als rote Werkzeugkisten verteilt, aufsammelt!) sowie euer erster Fang, ein Helikopterpilot, richten sich dort gemütlich und jederzeit ansprechbar mit ihrem eigenen...Stil...im etwas durch vorausgehende Kämpfe eurerseits ramponierten Villeninneren ein. Bis ihr dahin kommt, müsst ihr jedoch erst etwas leisten, um sie zu überzeugen. Um die drei zur Mitarbeit zu überreden, sollt ihr im Vorfeld für sie erst spezielle Missionen erledigen. Z.B. den bereits genannten Monstertruck für die Technikerin testen oder in einer in sich mehrstufigen Aufgabe mit Bunkerbustern einen auf den russischen Jet-Piloten angesetzten Offizier ausschalten. Erst dann habt ihr euch ihrer Dienste versichert und dürft sie als neue Mitarbeiter im HQ begrüßen.

Gerade der Helikopterpilot ist enorm wichtig: Nur euer Helipilot kann mit seiner Seilwinde die im virtuellen Venezuela herumstehenden Benzintanks (Oft von Fraktionen bewacht), Munitionsvorräte (z.B. Artillerieschlläge) oder Geldstapel einsammeln und ins HQ transportieren. So könnt ihr gegen ein wenig Benzin zu kostenloser Geldvermehrung und Frei-Haus Munitionslieferungen für die ganz großen Geschütze gelangen. Diese Dinge müsst ihr nur mit offenen Augen auf euer Minimap beim Herumfahren in der sehr, sehr, sehr großen Spielzone erkennen – und sie per Heli abholen lassen. Dies geschieht über das Unterstützungsmenu, von wo ihr auch Artillerieschläge und dergleichen anfordert.
Generell könnt ihr in eurem "Unterstützungsmenu" bis zu drei Luftangriffe oder Unterstützungsabwürfe eintragen um diese on-the-fly bei von Luftabwehr geräumten Areal von eurem Heli- oder Jetpiloten abwerfen zu lassen. Habt ihr während einer Mission mal nichts passendes dabei, dann ist das kein Problem. Das Spiel lässt euch auch von Unterwegs über euren PDA die drei Attacken neu zusammen stellen - voraus gesetzt, ihr habt sie auf Lager und ihr habt z.B. für einen Panzer-Buster schon den Jet-Piloten aquiriert!
Verfügbare Vehikel, Minispiele und hakelige Steuerung
Ihr könnt euch übrigens vom Heli auch selbst von jeder Position der frei erkundbaren Karte abholen lassen : Einfach Rauchgranate werfen und auf den Heli warten. Bei den Fraktionen könnt ihr in den Vorposten auch ebenfalls direkt landen (Sofern sie euch freundlich gesonnen sind) – ein weiterer Grund, die Nebenmissionen aufzugreifen, sofern ihr längere Strecken nicht mit den GTA-like „ausleihbaren“ Fahrzeugen bewältigen wollt Vom Mofa über Klapperkiste bis hin zum Truck wäre zumindest alles auf den Straßen lebendig unterwegs. Manche Fahrer begrüßen euch beim rauszerren sogar noch mit „Willkommen in Venezuala“. Bemerkten wir schon, dass Mercenaries an manchen Stellen durchaus humorig ist?

Neben aller Art Vehikeln, könnt ihr (v.a. bei Missionen praktisch!) auch Panzer und sogar Helis kapern – hier wird, mit Ausnahme der zivilen Autos, ein
kleines Minispiel durchgeführt, welches ob seiner, auf die benötige Schnelle schlecht zu deutenden Symbole auf der PC Version aber nicht ideal umgesetzt ist. Man fängt hier eine Kaperaktion also oft zwei oder drei mal an - was mitten im Gefecht kaum Laune macht. Wenn ihr die Symbole wie z.B. „Springen“ (Zwei Stiefel mit Luft darunter) oder „Nachladen“ (Ein Magazin-Icon) aber erst einmal verstanden habt oder euch die Kombinationen wie welches Vehikel ge-minispielt wird einfach auf einen Zettel notiert (es gibt nicht sooo viele), ist das auch keine Spaß-Hürde mehr. Allerdings eine, die nicht sein müsste und die in der X360 Fassung mit den sauber zu erkennenden Controllerbuttons klar ersichtlich ist.
Leider ist die Fahrzeug-Kontrolle für PC auch etwas indirekter/schwammiger geraten als in der von uns parallel gespielten Xbox Version. So brechen uns vor allem die Zweiräder öfters aus, als auf der Konsole. Bei den Autos ist der Unterschied kaum ausgeprägt.

Auch das Einsteigeprozedere ist leicht zeitraubend, aber nicht direkt nervig, da alles flüssig abläuft: Mann kann ein Fahrzeug nur an speziellen, per Icon (z.b. ein Lenkrad) gezeigten Stellen betreten. Es wird in der Nähe diese Icons aber auch immer ein Text a la „Nutze das Geschütz“ eingeblendet, so dass ihr nicht ganz wie der Ochs vorm Berg steht. Eine Sache, an die man sich aber sehr schnell gewöhnt. Eine animierte Sequenz zeigt euren Recken dann beim Hüftschwung über den Panzer oder das Verdeck hinters Steuer. Man merkt die Konsolen-Herkunft. Die Zeit bleibt hier leider übrigens (oder besser „realistischerweise“) nicht stehen. Dies bemerkten wir bei der Verteidigung einer Kirche, die uns in Stücke zerbröselte, während wir noch eben den letzten Panzer kapern wollten um dem zweiten damit in letzter Sekunde Dampf zu machen.
KI: Ein Mal geschnitten Brot bitte!

Nicht ganz so reibungslos beschreibt sich auch die Sache mit der Künstlichen Intelligenz von Freund und Feind. Hier leistet der Rechner, freundlich beschrieben, eher als inhomogen zu bezeichnende Arbeit: Schießt ihr einen Gegner aus einem Geschütz, übernimmt ein anderer seinen Platz. Manche Fahrer versuchen euch sogar direkt unter die Räder zu bekommen, wenn ihr gerade vor ihnen herumhüpft. Gut so! Allerdings sucht die KI nicht gerade nach Deckung und manchmal drängt sich der Ausdruck „Schießbude“ leider nur zu sehr auf. Von Flankieren kann man nur in zufälligen Ergebnissen sprechen – da nützt es auch nichts, dass die Soldaten laufend „dahinten ist er“ rufen (Auch wenn ihr mit Jennifer spielt!) Ein Manko? Je nach Betrachtung. Für den engagierten Gamer ist der Mangel an KI-Hirnmasse deutlich und das könnte den eintönigeren Teil der Missionen noch etwas abwechslungsärmer machen. Es macht allerdings auch einiges einfacher und hält so gesehen den Frust niedriger, da man grundsätzlich immer gegen eine Übermacht antritt. Wer möchte da schon 15 kreative menschliche Gegenüber vor sich wissen, wenn man einfach auf (Zerstörungs-) Spaß, große Explosionen und „ich-werf-mit-allem-um-mich-und-mach-alles-kaputt“ - kurz unkomplizierte Unterhaltung - aus ist um sein nächstes Benzin-Lager Upgrade zu erhalten?
Käferchen in der Motivationskurve
Wie wir bereits eingangs sagten: Mercenaries ist etwas für diejenigen, die eher Spaß im großen, effektreichen Rahmen haben wollen, und nicht schnell alles auf höchster Stufe mit ungezählten zähneknirschenden Herausforderungen durchspielen möchten.
Erbsenzähler sollte man für Mercenaries und dessen großen Spielspaß also nicht sein – und ein verzeihendes oder „ich-geb-dem-noch-ne-Chance“-Wesen wäre auch angebracht. So gibt es denn auch zahlreiche große und kleine Bugs – je mehr oder weniger, je nachdem mit welcher Leidenschaft man hinschaut – über die man durchaus manchmal, bzw oft hinweg sehen kann (ist ja kein kompetitiver eSport Titel), andererseits sich aber auch die Frage stellt: Wie konnte man DAS denn nur übersehen?! Doch hier ist es wie immer: Der Hardcore-Gamer mag sich gestört fühlen. Der Spaß-Spieler wird sich die Bugs merken – und vielleicht sie in der ein oder anderen ausweglosen Situation auch ausnutzen, so lang die Spaß-Momente überwiegen. Was sie hier eindeutig für uns taten. Prekär wird es lediglich, wenn man als Spielfigur z.B. in einem Gebüsch feststeckt und die Mission nur noch abbrechen kann. Das wird immer wieder gern über den Titel an vielen Stellen rezitiert – ist uns jedoch nur zwei Mal bisher (nach knapp 3 Wochen mehrfach-Spielzeit) passiert. Auch die Käferchen haben uns bisher weder Maus noch Gamepad in die Ecke feuern oder das Blut auch nur in Wallung kommen lassen.
Bombige Effekte und laues Grafiklüftchen

Apropos „hinschauen“. Die Grafik von Mercenaries 2 World in Flames gehört jetzt nicht zu den ausgesuchtesten. Mit Crysis kann sie nicht entfernt konkurrieren, auch wenn nichts hässliches dabei ist. Der solide, saubere Stand entspricht eher dem vor über einem Jahr, als das Spiel bereits in Entwicklung war. Dennoch gibt es (zerlegbare!) Bäume und Büsche, viel Stadt, viel Slum, viel Land und viele Krimskrams am Wegesrand, einigermaßen hübsches Wasser, ansehnlich saubere Texturen (sofern man die PS2 Version außen vor lässt) und man findet durchaus idyllische Zonen, auch wenn die Vegetation etwas zu aufgeräumt bleibt.
Richtig auftrumpfen kann das Spiel dagegen mit seinen gigantisch in Szene gesetzten Explosionen und der eher Action-orientierten Physik. Hier macht es richtig Spaß, auf die Benzinbombe zu sparen oder Artillerie regnen zu lassen! Die Effekte sind großartig ausgearbeitet und dabei ist zudem etwas, was man aktuell noch selten findet: Auch wenn nicht jedes Bruchstück nachgerendert wird und die Bruchzonen eines einstürzenden Gebäudes eindeutig nicht dynamisch berechnet sind: So gut wie jedes Bauwerk ist mit dem richtigen Kaliber zerstörbar und zerbirst in viele Einzelteile!

Und: Egal ob ihr es nun abreißen solltet oder nicht..das Nebenhaus eures Luftschlagziels könnt ihr ebenfalls auf die Grundmauern reduzieren, wenn ihr genügend Kraft aufwendet. Ihr könnt also nicht nur einebnen, wenn ihr es dürft! Allerdings solltet ihr euch nicht zu sehr in die Ausläufer der Explosion bewegen. Diese kann euch auch direkt mit ins Nirvana nehmen – genauso übrigens wie die wegschleuderten Mauerteile, die nicht nur harmlose Grafikeffekte sind! Ach ja: Straßenschilder, Zäune und kleine Mauern sind übrigens kein Hindernis für Panzer oder schwere Trucks - sofern die Wucht des Aufpralls stimmt. Manche DX10 Titel hätten damit zumal ein Problem...sagt man. Manchmal amüsiert Mercenaries jedoch mit dem nicht ganz konsequenten Physik-Modell, z.B. wenn man mit einem Motorrad im Schrittempo einen Baum knicken kann. Auch rollen die Fahrzeuge extrem nach. Sprich: Steigt ihr im Rollen aus, ist die Kiste womöglich gleich über den Abhang gesprungen. Praktisch jedoch: Klebt ihr C4 an euer Vehikel, rast auf einen schwer verteidigten Knotenpunkt zu und spring schon eine Weile davor heraus, könnt ihr sicher sein, dass eure Grußbotschaft dort immer noch ankommt und die Brocken auf jeden Fall fliegen werden.
Tot, Leben und die Save Funktion
Sollte euch sowas übrigens mal auf den Kopf fallen, ist das kein Problem. Medic-Packs findet ihr bei gefallenen Gegnern (oder sonstwo deponiert) und der Held hat auch die aktuell modische Eigenschaft, sich bei fehlendem Feindbeschuss selbsttätig wieder bis zur vollen Gesundheit zu regenerieren. Leider ist die SAVE-Funkion wohl ein Running Gag: Man kann zwar speichern, aber nicht on-the-fly aus dem Spiel heraus laden. Erst im Hauptmenu unter Optionen im Untermenu Spielstände lassen sich Savegames wieder aufrufen. Dafür müsst ihr das laufende Spiel jedoch verlassen. Das ist zwar unpraktisch, aber weniger schlimm, als es sich anhört: Erwischt es euch mal wirklich, so könnt ihr innerhalb einer Mission jederzeit beim Anfangsstand (oder bei dem oft fair gesetzten letzten Checkpunkt innerhalb der laufenden Aufgabe) wieder beginnen - ohne Abzüge oder Bestrafung. Sterbt ihr außerhalb einer Mission, werdet ihr gegen Bares von einem MedEvac abgeholt, eurer am Körper getragenen Schießprügel beraubt und in eurem Hauptquartier abgesetzt. Leidlich...aber dafür liegen ja quasi genügend Waffen auf der Straße herum, bzw findet ihr sicher einen euch immer feindlich gesonnenen VZ Soldaten oder -Stützpunkt, den ihr bei Gelegenheit sicher um einige Kampfgeräte erleichtern könnt. Notfall könnt ihr auch in Containern über das Unterstützungsmenu Gewehre, Raketenwerfer und Karabiner zukaufen und an eurer Position abwerfen lassen.
Das Fazit? Geteilt, aber mit tollem Online Zuckerl!

Mercenaries 2 World in Flames ist eigentlich das, was man konstruiert als „vorausgreifenden Budget-Hit“ bezeichnen könnte. Ob der bestehenden Probleme mag ein Vollpreis schwer wiegen, mit ein paar Euro Preisverfall gibt es jedoch keinen Grund für zögerliche Naturen mehr, hier nicht zuzuschlagen (Videothek gehen -> Ausleihen! Oder bei Kumpels probieren!) ! Schon jetzt gibt es für uns und unsere testenden Kollegen kein Grund, vom Kauf abzuraten! Im Gegenteil Mercenaries ist kein Hype, sondern ein ehrlicher Titel: Er verspricht euch nicht zuviel und gibt euch mindestens das, was man erwarten kann: Ein Schlachtfeld voller Zerstörung – die Welt in Flammen!
Da wir uns aber immer in Vergleichen bewegen, hier einige solcher Art:
Mercenaries 2 World in Flames ist kein Crysis. Es bringt nur eine solide, nicht mehr ganz aktuelle Grafik, aber dennoch mehr Zerstör-Spielereien, zudem passende Effekte und Explosionen um Naturen mit virtuell umfassendem Zerstörungstrieb zu befriedigen, die sich schon immer ärgerten, dass ein Panzer am Stoppschild hängen blieb.
Mercenaries 2 World in Flames ist kein Call of Duty. Daher kann es keine so gute und dichte Atmosphäre auf einem linearen Schlauchpfad erzeugen – dafür bietet es eine unglaublich freie, offene Welt, die nicht nur auf dem Packungstext mehrdimensional beschrieben wird, sondern solche Freiheit auch in allen Aspekten bietet. Eine gut gemachte, sinnig fortgesetzte und solide inszenierte Story, die leider etwas flach bleibt, dafür aber mit sauber deutsch vertonten Sprechern aufwartet und zu unterhalten weis, ist dennoch mit inbegriffen!
Mercenaries 2 World in Flames ist kein Grand Thef Auto. Schon alleine, weil es beim Söldnershooter sehr viel mehr Handlungsfreiheit gibt, mehr explodiert, alles zerstörbar ist, mehr der Militär-style-Waffen Liebhaber angesprochen wird und der Kampf um und mit den Vehikeln und nicht unbedingt das gekonnte Herumfahren damit im Vordergrund steht. Als Vergleich, wenn man ihn denn schon macht, böte sich an: Äpfel und Birnen. Beides sind Früchte, wachsen auf Bäumen, schmecken aber komplett unterschiedlich und sind in der Form keineswegs zu verwechseln.
Mercenaries 2 World in Flames ist eher für die Spaß-orientierten Gamer gemacht. Für diejenigen also, die mal einen ganzen Sonntag darauf verwenden, weiter zu kommen, dann vielleicht von einer Mission frustiert sind – und am Montag kurz vor Feierabend doch wieder hibbelig werden, weil ihnen gerade eingefallen ist, dass ein Motorrad vielleicht einem Panzer schneller ausweichen kann, als ein 4 Tonnen Jeep. Es ist nicht unbedingt geeignet für Casuals, aber auch nicht für „den“ Hardcore Gamer, sondern für diejenigen mit relaxter Grundhaltung, der sich von den betont vorliegenden Problemstellen, die insgesamt zwar nicht hätten sein müssen, aber nur je nach Betrachtung schwer wiegen, vom auf jeden Fall gebotenen Unterhaltungswert nicht abbringen lässt.

Zudem – und dies abschließend – wuchert Mercenaries 2 World in Flames mit einem
sehr guten und sehr launigen Online-Koop Modus! Hier legt der Titel nochmal extrem ein positives Gewicht auf die Wage, denn hier gibt es überhaupt nichts zu meckern. Jedes mal wenn ihr euer Spiel über "Fortsetzen" oder "Neues Spiel" eröffnet, werdet ihr gefragt, ob ihr Online Spielen wollt - was quasi einem Eröffnen einer über den Multiplayer zugänglichen Partie entspricht. Ihr könnt auch jederzeit selektiv eine Partie (Etwas versteckt im Hauptmenu unter Optionen im Submenu Multiplayer) online eröffnen, welche einige Vorab-Optionen erlaubt, z.B. Teambeschuss. In jedem Fall spielt ihr eure normale Story – und euch freuen, wenn ein Freund eure Partie betritt. Dieser wird immer sofort an eurer Seite (und nicht im fernen HQ) einsteigen – und wie wir wissen: Geteilte Freude ist doppelte Freude!
Vielleicht sehen wir uns ja mal Online!
7.5/10